Am Sonntag, dem 27.02.2005, berichtete das ZDF in der Reihe "Sonntags - TV fürs Leben" über unsere "Gute Stube". Hier geben wir einen Artikel des ZDF über die Sendung wieder.
Ein Pflege-Projekt für Altersverwirrte
Die "Gute Stube"
ist ein Projekt des Caritas-Altenzentrums St. Elisabeth in
Duisburg-Obermeiderich. Vor zwei Jahren startete der Versuch, Hochbetagte in
vertraute Rollen aus ihrer Vergangenheit zurückzuversetzen.
Die "Gute Stube" ist eine Großraumwohnung, die ca. 20 altersverwirrte Menschen tagsüber aufsuchen. In Ausstattung und Atmosphäre gleicht die Räumlichkeit auf den ersten Blick einem Heimatmuseum: Mobiliar der 20er und 30er Jahre, wo nichts zeitgemäß und doch alles stimmig ist, vom Besteck bis zur Deckenbeleuchtung, von der Kaffeetasse bis zum Sekretär.
In
diesem Milieu fühlen sich die alten Menschen heimisch. Die Betreuerinnen, die
die Bewohnerinnen und Bewohner tagsüber durch den Alltag in der "Guten Stube"
wie in einem Rollenspiel begleiten, setzen psychobiografische Impulse. Bei
diesem "psychobiografischen" Ansatz sind die Stimmungen, Gefühle und
Erinnerungen wichtiger als der Bezug zur aktuellen Realität.
Da wird der Wehrmachtspass zum Fenster in die Vergangenheit, und das alte Pflichtgefühl lebt beim ehemaligen Marinesoldaten wieder auf. Das Brotmesser wird zum Signal, und die alte Dame taucht ein in ihre hergebrachte Rolle als Hausmädchen, so wie es vor 50 Jahren war.
Jeder Bewohner wird zum aktiven
oder passiven Mitspieler des anderen und übernimmt die ihm zugeschriebenen
"Rollen" in dem "Stück", das die Biographie selber geschrieben hat. "Daheimsein
ist alles, was willst du anderes!", sagt Herr Skipka, Jahrgang 22, als er die
Zeitschwelle zur "Guten Stube" überschreitet.
Pflegedienstleiterin Martina Hartmann erklärt das so: "Dadurch, dass wir durch die Impulse das so genannte Daheimgefühl versuchen zu wecken bei den Bewohnern, erleben sie tatsächlich eine Vertrautheit, ein Zuhause - ähnlich wie in der Großfamilie, so wie sie das früher erlebt haben. Das erleben sie also tatsächlich. Und nicht nur gespielt. Für uns ist es gespielt, wir steigen in Rollen ein, um genau dieses Gefühl zu unterstützen."